Auszeit

Gedanken für Durststrecken

Auszeit
cintoa® Aufstieg

Gedanken für Durststrecken

Ich schwitze, fühl mich angestrengt
Zweifel und Hadern
Ist der Weg zu schaffen?
Habe ich gut genug geplant?
Ist alles sorgfältig bedacht?
Besitz ich die nötige Kraft?

Der Aufstieg ist schwer
Unbequem fühlen Schuhe und Rucksack sich an
Der Gipfel wirkt unerreichbar fern
Ein Adler kreist triumphierend
Wo ist mein Weg in dieser Zeit?
War ich für die Strecke bereit?

Gedanken an Umkehr kommen auf
Ich könnte zurückgehen
Oder Wegrand sitzenbleiben
Hab meine Kräfte wohl überschätzt
Doch da sehe ich Bewegung weit vor mir
Etwa ein weiterer Passagier?

Hoffnung hüpft vom Bauch hinauf
Mein Blick hebt sich vergewissernd
berauscht von dem Gedanken
Ich bin nicht allein und nun geht´s leichter
Schritt für Schritt weiterzulaufen
Mut zu fassen und im Gehen zu verschnaufen

Ganz ruhig wird´s in mir
Der Mut kehrt zurück
Meine Gedanken wieder auf den Weg gerichtet
Spür ich neue Kraft und wie es sich in mir lichtet

					

Gleichgewicht finden

Gleichgewicht finden

Strebe nach Ruhe,
aber durch das Gleichgewicht,
nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.
Friedrich Schiller

Es heißt auch: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Was etwas altbacken und überholt daherkommt – in unseren auf möglichst nahtloses Timing ausgerichteten Leben – kann ein wertvoller Alltagsanker sein. In der Hektik unserer Tage verliert sich manchmal der Durchblick. Im anderen Extrem – dem unangenehmen Stillstand – jeder Sinn. So streben wir nach der berühmten Mitte. Dem angenehmen gespannt bleiben, das uns antreibt und Lust auf das Tun gibt und dem erholsamen Entspannen, das uns Kraft schöpfen lässt. Das Gleichgeweicht wiederfinden, ist Wunsch vieler Alltagshelden. Einfach mal nichts tun, fällt schwer. Es gibt ja immer irgendwas. Wer sein inneres Gleichgewicht „wieder“-finden möchte, könnte damit beginnen, dem eigenen inneren Ruhepol auf die Spur zu gehen. Das braucht ein wenig Übung, wenn es schon etwas länger zu turbulent zugeht. Es lohnt! In sich horchen, was jetzt gerade gut tun würde. Auch in großer Turbulenz ist es einen Versuch wert. Für einen Moment die Augen schließen, sich einen Kaffee holen (und dabei langsam gehen ohne durch den Mund einatmen zu müssen), jemandem ein Lächeln schenken. Es ist immer etwas da, mit dem wir uns eine gleichgewichtende Belohnung geben können.

SchätzeSammlerin

cintoa®: SchätzeSammlerin

SchätzeSammlerin

Reichlich Schätze hab ich gesammelt dieses Jahr. Als SchätzeSammlerin. Viele Momente werden in meinem Gedächtnis bleiben. Augenblicke, Begegnungen. Abschiede und Anfänge. Traurige und eindrucksvolle Erlebnisse. Küsse und Berührungen. Aufregungen und Müdigkeit. Bilder und Worte. Auch manches Wortlose. Der Blick auf die Menschen und Dinge, die mich im Alltäglichen umgeben. 

Im Sein zwischen den Jahren lasse ich das alles noch einmal aufleben mit konzentriertem Blick und Fühlen. Und dann gebe ich sie frei. Mache Platz für das Neue, das kommen darf und kommen wird. Was gut ist, bleibt sowieso. Mindestens im Herzen. Und so geh ich weiter auf meinem Weg und sammle Lebensschätze. Bedachter vielleicht als noch in jungen Jahren. Behutsamer in dem Wissen, wie zerbrechlich manches sein kann. Und aus dem Gehen und dem Begegnen, dem Sammeln und Loslassen entstehen die Geschichten, die ich erzählen kann. Mir selbst und anderen.

Oft sind die kleine Schätze die Schönsten. Die blauen Blüten auf dem Bild sehen von jeder Seite anders aus. Die Farbe schimmert je nach Lichteinfluss mal heller, mal kräftiger. Und jede einzelne ist ein kleines Wunderwerk für einige Zeit. Dann heißt es Abschied nehmen. Wachsen. Blühen. Vergehen. Umso schöner, dass es die Erinnerung gibt. Plätze in unseren Herzen und Gedanken. So können wir in dunklen Zeiten auf unsere inneren Schätze zurückgreifen und Kraft sammeln. Oder wie Albert Camus es so wunderbar beschrieb:

Mitten im Winter erfuhr ich endlich, dass in mir ein unvergänglicher, unbesiegbarer Sommer ist.“ (Albert Camus)

Vom ab- und wieder auftauchen

Vom ab- und wieder auftauchen

Geh Du tiefer in mir
Auf dass sich Deine Spur 
in meinem Herzen nie verlier. 

Ich tauch dazu ganz sanft 
und im nächsten Moment wieder auf
ins Leben hinein 
mit all meinem Sein.
Wie ich bin und noch viel stärker.

In mir breitet sich Stille aus.
Endlich sind da Wege.
Endlich ist Licht.

Jeder der Wege eine Chance, 
etwas mehr Sicht.
Im Herzen die Kraft
mit welcher ich liebe
und die das Loslassen schafft.

In mir breitet sich Stille aus.
Endlich ist da Freude - ein Lächeln.
Endlich ist Licht.

In den Augen noch die Tränen
die die Wangen befeuchten
Tränen die durchflossen
wieder vom Leben geküsst
Es ist an der Zeit zu vergeben.

In mir breitet sich Stille aus.
Endlich kann ich weitergehen - Schritt für Schritt
Endlich ist Licht.

Ein Hoch auf das Ab- und wieder Auftauchen und das Weitergehen. 

Liebesschlösser an Brücken

@cintoa: Herzensschlösser

Liebesschlösser an Brücken

Da hängen sie, aufgereiht. Herz an Herz. Liebesschlösser an Brücken. Zu tausenden hängen sie an Brückengeländern, Laternen, Bänken oder Gittern. Ein romantisches Ritual von Verliebten, die ihre Liebe damit besiegeln und verewigen. Was in den Herzen ist, wird nach außen für alle sichtbar gemacht: Mit Initialen. Mit Datum. Hier sind wir und wir lieben uns. Das halten wir hier fest für immer. Die Brücke als Symbol der Verbindung, steht schließlich auch ewig. Wir schließen unsere Liebe ein. 

Haben zwei das Schloss befestigt, werfen sie oft den Schlüssel in das Wasser unter der Brücke. An der Milvischen Brücke in Rom erfolgt dies mit dem Ausspruch per sempre („für immer“).

Lauter Liebesgeschichten hängen so aneinander aufgereiht. Schloss an Schloss. Liebesgeschichte an Liebesgeschichte. Zwei, die sich ewige Liebe schwören. Doch manch behängte Brücke ächzt unter der Last der vielen Liebenden. Auch Rost setzt an. Sollte Liebe nicht leicht sein? Lässt sie sich einschließen? Für immer? Und das Wasser unter der Brücke? Fließt es nicht unaufhörlich weiter und weiter. Trägt es gar den Geist der Schloss-Lieben fort in seinem Fluss?

Was wohl die Liebe dazu sagen würde?

Im Strom des Gewöhnlichen

cintoa: redkite

Im Strom des Gewöhnlichen

erhoben im Strom des Gewöhnlichen
eine stille Kühle fühlend
bekannte Untiefen rufen
kann das alte Lied neu hören
 
es ist Zeit zu atmen
mit einer kleinen Bewegung
weit in den Himmel strecken
es gibt nichts für diesen Moment
 
in stumpfe Sorglosigkeit
auf Gipfel geklettert, um die Welt zu sehen
von unfreundlichen Böen zu Boden geworfen
versuchte festzuhalten, was keinen Halt gab
 
es ist Zeit zu atmen
mit offenen Armen
weit in den Himmel strecken
es gibt nichts für diesen Moment
 
vom Alltagslicht betäubt
müder Blick wandert in die Ferne
Kopf neigt sich milde und verwundert, 
Farben verschwimmen, tanzen ihren Regenbogentanz
 
es ist Zeit zu atmen
mit geschlossenen Augen
weit in den Himmel strecken
es gibt nichts für diesen Moment

Herzensmensch

@cintoa: Mosaikherz

Herzensmensch

Tausend Küsse send ich meinem Herzenmenschen.
An Dich mag ich so gerne denken.
An Dir, ja an Dir liegt mir was. 
Mit jedem Lächeln sage ich Dir das. 

Ohne Erwartung und ohne Bedingung. 
Wir schaukeln in einer grandiosen Schwingung.
Hüten in uns freudig hüpfende Herzen
Nichts kann uns diese Freude verschwärzen.

Dass es Dich gibt in meinem Leben
was könnte das Glück mir Schöneres geben. 
So dankbar, Dich erfahren zu dürfen. 
Es ist, als würden unsere Seele sich schlürfen. 

Augenblicksblinken

Augenblicksblinken

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

So sind es die Augenblicke, oft so kostbar sind. Die Augenblicke, in denen wir erkennen. Die Augenblicke, in denen wir innehalten, sie genießen, lächeln und sie speichern in der Erinnerung, bevor sie vergehen. Ein ewiges Blinken, so scheint mir so mancher Augenblick. Nichts bleibt vermeintlich. Und doch bleibt etwas. In unseren Herzen. In unserer Erinnerung. In unserem Leben. Ein ewiges Blinken.

Lauschen auf´s Leben

@cintoa: Lauschen

Lauschen auf´s Leben

Lauschen
… auf das Leben
 was es sagt
 was es fragt
 was es bereit hält
 ob ich bereit bin?

Lauschen
… den Wegen
wie sie sich anfühlen
beim betreten
was sie uns erzählen
ob wir‘s verstehen?

 Lauschen
… dem Rhythmus
der Jahre und Stunden
dem Takt, ist er meiner?
mich gut zu begleiten
durch meine Zeiten

allegro con brio – fröhlich mit Elan

Allegro con brio – das heißt „fröhlich mit Elan“

Wenn es Fröhlich sein soll mit Elan 
schalte ich Beethovens 5. Sinfonie laut an 
eine Melodie, bei der ich für eine Weile vergessen kann 
was an Gedanken und Sorgen rast in meinem Kopf 

ich stoppe unverhofft meinen Alltagsdauerlauf 
und lausche interessiert dem ungestümen Orchester 
mache mich innen ganz weit auf 
so feierlich klingt es in mir

staune immer wieder über jene ruhige Kraft 
die mich überkommt und den etwas Schwung
ich fühl mich jugendlich sommerhaft 
leicht angehoben von den Tönen

die mir den Rahmen spannen um meine innere Galerie
was sich beschützend anfühlt und auch ein wenig wild
so wie die 5. von dem Genie
sie sorgt auf jeden Fall für ein unglaublich gutes Gefühl

Schwedisches Waldmärchen

Schwedisches Waldmärchen

Was ist das Leben?

An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt, und alles ruhte. Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte. «Was ist eigentlich das Leben?» Alle waren betroffen über diese schwierige Frage. Die Heckenrose entfaltete gerade eine Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: «Das Leben ist eine Entwicklung.» Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er flog von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: «Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.» Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: «Das Leben ist nicht als Arbeit und Mühsal.» Geschäftig kam eine Biene von einer honighaltigen Blume auf die Wiese zurück und meinte dazu: «Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.» Wo so weise Reden geführt werden, streckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: «Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln.» Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: «Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen.» Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen, warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten: «Das Leben ist wie ein vergebliches Ringen nach Freiheit.» Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte: «Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben.» Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide. Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte: «Das Leben ist ein Sich neigen unter eine höhere Macht.» Dann kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese dem Wald zu und krächzte: «Das Leben heißt: die Gelegenheit nützen, wenn andere schlafen.» Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese. Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs. Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle Viere von sich und meinte, erschöpft vom vielen Tanzen und Trinken: «Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen.» Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach: «Wie ich, die Morgenröte, der Beginn eines neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit!»

aus: Schwedisches Waldmärchen

Meines Wesens Dunkelstunden …

@cintoa: mare

Meines Wesens Dunkelstunden …

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie ein Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

Rainer Maria Rilke

Morgenstiller Moment

Morgenstiller Moment

@cintoa: Kaffee im Morgenstillen

Morgenstiller Moment

Sonnenstrahlen wärmen sanft meine Stirn
Nächtliche Kühle kriecht noch unter den Pullover
Eine Elster schnattert aufgeregt
Die Sonne zeigt sich davon unbewegt

Still ist es noch überall
nur der Vögel Urgezwitscher 
ich atme tief ein in meiner morgendlichen Oase
Kühle Luft zieht in die Nase

Was kann näher sein
An uns, an mir
Als sich hinhalten, genau zu hinzuspüren
Und sich hineinfallen lassen in den Tag durch alle Türen

Abgestreift ist das Dunkel der Nacht
All die Gedanken, furchtvolle Gespinste und Geräusche
Die auffahren, nicht schlafen lassen
All das scheint jetzt lächerlich und nicht mehr recht zu passen

In des Tages Angesicht 
streck ich die Nase dem Licht entgegen
Saug in mich auf seine Wärme und Kraft
So machen der Tag und ich unsere erste Bekanntschaft

Für einen morgenstillen Moment.

Als-Ob-Welten

Superhelden

Als-Ob-Welten

Ich mag Tagträumen. In meine Als-Ob-Welten. Besonders Kinder sind unglaublich begabt, was das Tagträumen angeht. In Tagträumen entwickeln sie spontan jede Menge Kräfte. Im so „tun-als-ob“ schaffen sie einzigartige Räume und nicht selten ein ganzes Wunderland. Die Schule wird gewuppt, mit den Freunden Unglaubliches erlebt und die Eltern sind gechillt. Auch uns Erwachsenen steht das Tagträumen gut. Wir können uns in Geschichten und Bilder zaubern, in denen wir Heldenhaftes vollbringen oder in dem alles einfach nur einfach ist. Wir fühlen uns wahrgenommen und angenommen. Wir können Dinge tun, die wir schon länger nicht mehr gemacht haben. Und… Fantasie hin oder her. Es tut immer gut, eine Meistertat zu vollbringen. Warum nicht öfter und mehr davon? Die Versunkenheit genießen und in ungewöhnliche Rollen schlüpfen. Solche, die wir im Alltag nur selten bekleiden oder nur mit größerem Aufwand. Im Tagträumen ist es leicht. Gib mir ein Abenteuer und ich bin dabei. Ohne Furcht. Die braucht ich nicht.

oder wie Hermann Hesse in „Die Kindheit eines Zauberers“ schrieb:

„… ich wusste Bescheid in der Welt, ich verkehrte furchtlos mit Tieren und Sternen, ich kannte mich in Obstgärten und im Wasser bei den Fischen aus und konnte schon eine gute Anzahl von Liedern singen. Ich konnte auch zaubern, was ich dann leider früh verlernte und erst in höherem Alter von Neuem lernen musste, und verfügte über die ganze sagenhafte Weisheit der Kindheit…“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Also ihr Traumjäger und Traumjägerinnen da draußen: es lohnt sich immer mal wieder ein bisschen so zu tun „als-ob“ und hineinzutauchen in wohlbefindliche Träume. Sie heben heimliche Kräfte, die in uns stecken. So können wir uns in unseren gesamten Möglichkeiten immer mal wieder ein bisschen neu entwerfen.

La Befana – Ahnenfrau in der Rauhnacht

La Befana – Ahnenfrau in der Rauhnacht

La Befana vien di Notte
con le scarpe tutte rotte 
il cappello alla romana 
viva viva la Befana.
Das heißt soviel wie: Das heißt so viel wie: 
Die Befana kommt bei Nacht, 
mit ihren kaputten Schuhen 
ihrem geflickten Kittel, 
es lebe die Befana!“ 

Die Zeit der Rauhnächte ist nun fast vorüber. Zahlreiche Gestalten aus überlieferten Legenden bewegen sich im "Dazwischen" der Jahre. Bringen Geschenke für die einen und Strafen für die anderen. Sie bewegen sich in der Dunkelheit. So auch Befana, eine Art italienische Weihnachtshexe - eine ältliche Frau mit krummem Buckel und langer Nase. Sie gilt als sehr liebenswürdig, als äußerst reinlich und fleißig. Aber auch rastlos. Ständig ist sie am sauber machen, putzen oder sitzt am Webstuhl. Nie ist sie fertig.

Eines Tages kehrten bei ihr drei Männer ein, schließlich galt Befana als besonders gute Gastgeberin. Es waren drei Sterndeuter auf ihrer Reise. Die Männer erzählten ihr von dem Stern, dem sie folgten und von der frohen Botschaft, dass ein ganz besonderes Kind geboren sei. Befana war neugierig und wollte alles ganz genau hören. Da fragten sie die Männer, ob sie sich ihnen nicht anschließen möchte. Doch Befana lehnte ab. Sie musste noch das Haus fegen und all die anderen Hausarbeiten erledigen. Auch der begonnene Teppich hing noch unfertig im Webstuhl. 

Die Männer brachen auf. Befana verrichtete ihre Arbeit, war aber nicht mehr bei der Sache. Die drei Reisenden, der Stern und das Christuskind ließen ihr keine Ruhe. Der Stern und das Jesuskind, wenn es wirklich stimmte, was die Männer erzählt hatten, warum war sie nicht mitgegangen? Verpasste sie gerade ein großes Wunder? „Wie ärgerlich“ befand Befana. Sie merkte, dass sie ihre Meinung geändert hatte. Sie wollte nun doch mitgehen. 

Doch als Befana nach draußen trat, konnte sie den Stern am Himmel nicht mehr finden. Sie hielt kurz inne und schwang sich dann auf ihren Besen. In der Hoffnung, eines der Kinder sei das besondere Kind, flog Befana mit ihrem Besen von Haus zu Haus. Den Kindern brachte sie Geschenke mit. Sie hatte jedes einzelne sehr gern. Das Jesuskind aber fand sie nicht. 

Seitdem macht sich Befana jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf die Suche. Sie schenkt den braven Kindern Süßigkeiten und bringt den Unartigen Kohle als Gabe. Und es kommt vor, dass ihr die Menschen einen Becher Rotwein und ein bisschen Obst vor die Türe stellen. Es kann nicht schaden, sich mit einer Hexe gut zu stellen.

Befana verpasste in jener Nacht das Jesuskind und wird seither jedes Jahr zum Segen für Kinder und ihre Familien. Es ist ihre Bestimmung, den Menschen eine Freude zu bereiten. Jedes Jahr auf´s Neue. Sie gibt nicht auf und wird nie fertig mit dem Geschenke verteilen. Mittlerweile ist es vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig, die Krippe zu finden mit dem Kind. Denn Befana findet etwas anderes: Jede Menge glückliche Gesichter, staunende Augen, Herzen voller Vorfreude und aufgeregte Kinder. Sie zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht, den Eltern, den Kindern und deren Kindern. 

Und so geht es immer weiter, Jahr für Jahr. Die alte Frau beschenkt die jungen Menschen. Die Verbindung von alt und neu wird durch die Gaben immer wieder erneuert. So bleibt die Verbindung mit Vergangenem und gleichzeitig beginnt etwas Neues. Und bei aller Reinlichkeit: Sich damit unnötig aufhalten, das bringt es nicht. Sonst verpassen wir die besten Sachen. Also: die Besen schwingen und den Träumen nachfliegen! Buenanotte!